Schrittzähler für Arbeitslose

Die Jobcenter Brandenburg/Havel und Havelland haben ältere Hart-IV-Empfänger mit Schrittzählern ausgestattet, um sie zu mehr Bewegung zu animieren. „Nur wer sich körperlich gut fühlt, nimmt aktiv an der Vermittlung auf eine Arbeitsstelle teil”, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. 40 Tage lang zeichnen die Schrittzähler die Bewegungen der Arbeitslosen auf. Den Aktivsten winkt ein Preis.

Kaum wurde die Maßnahme bekannt, hagelte es Kritik aus der Politik – und zwar aus allen Lagern. Wir finden den Grundgedanken hinter der Aktion hingegen richtig gut, schließlich sind auch wir überzeugt davon, dass Erfolg nur durch Bewegung möglich ist. Wenn Niels Korte, Arbeitsmarktexperte der CDU, sagt: „Die Zeit der Arbeitslosen sollte lieber in fachliche Qualifizierung investiert werden”, dann macht das deutlich, wie wenig das System Mensch in diesem Zusammenhang auch heute noch in seiner Gesamtheit betrachtet wird. Fachliche Qualifizierung ist wichtig, keine Frage. Der körperlichen Bewegung fällt aber eine mindestens genau so bedeutende Rolle zu.

Etwas unbeholfen erscheint uns die Schrittzähler-Idee aber natürlich auch, hat sie doch einen sehr kontrollierenden Charakter. Außerdem lässt sie die Betroffenen allein und betrachtet das Thema Bewegung und Gesundheit nicht annähernd in seiner Komplexität. Das geht besser und nachhaltiger. Strittige Maßnahmen wie die der beiden Jobcenter in Ostdeutschland bieten aber die wunderbare Chance, eingefahrene Vorgehensweisen und Meinungen zu hinterfragen sowie neu zu denken.

Hier ein Artikel der Tageszeitung DIE WELT zu dem Thema